Ein Staatspräsident lädt Menschen aus aller Welt zu sich nach Hause ein, um ihnen die Schönheiten seines Landes zu zeigen.
Verrückt? – Nein, Realität.

Olafur Ragnar Grimsson ist der Präsident Islands. Gestern forderte er in einer „Rede an die Nation“ seine Landsleute dazu auf, es ihm gleichzutun. Alle Isländer sollen Gastgeber, Tourguides & Werbebotschafter des eigenen Landes sein.

Was hier passiert ist die grandiose Fortsetzung einer Tourismuskampagne, die 2010 ihren Lauf genommen hatte. Schwer geplagt von einer finanziellen Durststrecke und einem Feuer speienden Vulkan, waren Image und Motivation stark angekratzt. 2 Millionen Euro – ein Betrag den andere Destinationen schon zum Frühstück verbraucht haben – sollten investiert werden, um das Image wieder aufzupolieren.

„The government plans to spend the 3 million dollars on not only traditional advertising, but also online advertising – even social media“, schrieb Hjörtur Smárson im April 2010 in seinem Blog.

Dass die 3 Worte „even social media“ der Hauptträger der Kampagne werden, und dem Land im selben Jahr noch 160 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen aus dem Tourismus bescheren sollten, ahnte damals wohl noch niemand.

Im Vorjahr nahm 1/3 der Isländer an der Aktion teil. Sie luden Menschen aus dem Ausland nach Island ein, und brachten ihnen das wirkliche Island näher. Sie sollten sich nicht als Touristen fühlen sondern als Freunde. Im Optimalfall gar als Einheimische.

Von Anfang an setzte die Kampagne „Inspired by Iceland“ auf clever geplantes und hervorragend umgesetztes Crowdsourcing.

Die Zukunft beginnt gestern

Still und heimlich läutet die Webseite (endlich) eine Zeit ein, in der wir den Begriff Social Media (endlich) zu Grabe tragen können, uns in der das Internet (endlich) wieder Internet heißt. Ich zitiere einen 5 Jahre alten Beitrag auf anders|denken:

Die Homepage der Zukunft wird eine Fundgrube an Tatsachen und Meinungen sein. Erstellt von Unternehmen und deren Communities. Sie wird zur primären Anlaufstelle und der Informationsfluss wird maßgeblich dazu beitragen, bessere Produkte und Services zu entwickeln.

Umgelegt auf Island hatte „Inspired by Iceland“ folgende Auswirkungen:

Erst seit kurzem gibt es in Reykjavík erste Fahrradwege und immer mehr Tempo-30-Zonen. Im Sommer wandelt sich die Einkaufsstraße in eine reine Fußgängerzone. Auf den Bürgersteigen stellen Kaffeehausbesitzer endlich Tische auf und die Einzelhändler freuen sich über steigende Umsetze.

Hinweis: Ein Social Media Berater hört hier auf zu lesen. Alles das Ergebnis von Facebook, Twitter & Co. Wer jedoch mehr auf Interdisziplinarität und Kybernetik Ansätze steht, liest bitte weiter…

Storytelling

Wir alle lieben Geschichten. Und solche finden wir hier hunderte. Geschichten von Einwohnern und Urlaubern, „featured stories“ von Prominenten, Redakteuren und Schreibtalenten. Zur einfacheren Orientierung zugeordnet auf Landkarten.

Dazu gibt es noch Musik Isländischer Bands und vieles mehr … die Plattform erfüllt alles, was das Herz von Reiselustigen begehrt. Und die Kampagne selbst (die der selben Kategorie zuzuordnen ist, wie diese hier»), lässt Marketing-Herzen höher schlagen.

Zum Nachdenken

„Die beste Social Media Strategie ist die,
bei der man selbst keine Social Media Tools bedienen muss“,
schrieb mein Blogger-Freund Patrick Breitenbach vor kurzem.

Ich zitiere Patrick gerne in meinen Workshops, denn genauso ist es!

Wer es meint, sich eine Facebook Seite zum Aktionspreis von der Stange kaufen zu müssen und denkt, „man wäre jetzt auch endlich in Social Media“ (= häufig gehörtes Zitat!), soll das tun. Im besten Fall ist auch noch eine externe Agentur eingebunden, die alle Kanäle bespielt. Ob es erfolgreich sein wird, sei dahingestellt. Der arme, von der Entwicklung ganzheitlicher Marketing-Strategien häufig isolierte „Social Media Manager“ wirds schon richten.

Mir gefallen Kampagnen wie „Inspired by Iceland“ jedoch ungleich besser, denn hier haben die Verantwortlichen das Grundprinzip verstanden: Der Erfolg von Social Media basiert nicht auf Facebook Seiten. Auch findet er nicht alleine im Web statt.

OFF = ON // ON = OFF

rover

Wenn ich daher von Strategien zur „Positionierung im Web“ lese, wird mir übel. Wie soll ich mich im Web authentisch positionieren, wenn ich anders bin als in der realen Welt? Beginne ich mit diesem Denkfehler zu planen, habe ich (ziemlich sicher) von Anfang an verloren!

… oder stellen alle Fans von Apple nur deshalb Fotos von der Zeremonie des Auspackens ihrer neuen Geräte in Netz, weil die Produkte und das Service so schlecht sind?

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Hannes Treichl

Hannes Treichl

In diesem Blog findest du persönliche Gedanken, Geschichten über beHERZte Menschen, außergewöhnliches Marketing und kreatives Denken. Mehr über mich steht hier ».

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