Die Geschichte ist nicht neu, und stand auch schon mal vor 4 Jahren hier auf anders|denken. Dennoch finde ich dass sie sich ein Da Capo verdient. Warum?

Schauplatz 1 // Neulich, nach einem langen Workshoptag, hat der Inhaber eines Restaurant die Geschichte unten erzählt. Die Zuhörer, allesamt Geschäftsleute, haben gelacht. „Was für eine netter Witz. Den sollte man sich doch glatt merken. Übrigens: Haben Sie von der jüngsten Entwicklung bei Roche gehört…“

Schauplatz 2 // Ich sitze in einer ruhigen griechischen Strand-Taverne. Am Nebentisch ein Unternehmer mit seiner Familie. Auf seinem iPad liest er das Handelsblatt. Sein kleiner Sohn spielt am Fussboden. Seine Frau starrt mit leerem Blick auf das Meer hinaus.

„Schön ist es hier…“, ringt sie um die Aufmerksamkeit ihres Mannes.
„Mhm…“, meint dieser, ohne dabei von seinem Tablet aufzusehen.

Auch für dich, lieber Manager aus der Schweiz, hier noch einmal eine kleine Geschichte zum Nachdenken. Und zum (nicht?) Belächeln.


Ein Manager steht in einem kleinen griechischen Fischerdorf am Pier und beobachtet, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegt. Er hat einige riesige Thunfische geladen. Der Deutsche gratuliert dem Griechen zu seinem prächtigen Fang und fragt, wie lange er dazu gebraucht hatte.

„Ein paar Stunden nur. Nicht lange,“ erklärt der Fischer. Daraufhin fragt der Manager, warum er denn nicht länger auf See geblieben ist, um noch mehr zu fangen. „Die Fische reichen mir. Mit ihnen kann ich meine Familie die nächsten Tage gut versorgen“, lächelt der Fischer.

„Aber was tun Die denn mit dem Rest des Tages?“ ist der Manager erstaunt.

„Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen, spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau Maria nach dem Mittagessen eine Siesta, gehe in das Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein, einen Ouzo und spiele Bouzouki mit meinen Freunden. Sie sehen, ich habe ein ausgefülltes Leben.“

Der Manager hat eine Idee: „Ich habe zwei Studien abgeschlossen und verdiene eine Menge Geld damit, Leute zu beraten. Ihnen helfe ich gerne kostenlos weiter.

Sie sollten mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Das machen Sie so lange, bis sie eine ganze Bootsflotte haben.

Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könnten Sie direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Sie könnten Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren.

Sie könnten dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Athen, Hamburg, London oder eine andere Weltmetropole umziehen, von wo aus sie dann ihr florierendes Unternehmen leiten.“

Der Grieche hat aufmerksam und schweigend zugehört: „Und wie lange wird dies dauern?“ – „Hmmm…“, überlegt der Manager, „So etwa 15 bis 20 Jahre.“ Der Grieche runzelt die Stirn: „Und was dann, mein Herr?“

Der Manager grinst breit: „Dann kommt das beste, guter Mann. Wenn die Zeit reif ist, könnten sie mit Ihrem Unternehmen an die Börse gehen. Sie verkaufen all Ihre Unternehmensteile und werden sehr sehr reich sein. Sie könnten Millionen verdienen!“

Der Fischer versteht die Welt nicht mehr. So einfach geht das, mit dem Reichwerden? Er schüttelt den Kopf. „Millionen? Ja, das klingt schön. Aber was dann?“

„Dann können sie endlich aufhören zu arbeiten! Sie könnten in ein kleines Fischerdorf in Griechenland ziehen, morgens lange ausschlafen, Fische fangen, mit Ihren Kindern oder Enkeln spielen, eine Siesta mit Ihrer Frau machen, in das Dorf spazieren gehen, am Abend ein Gläschen Wein und Ouzo genießen und mit Ihren Freunden Bouzouki spielen…“

… und dann verstummt er ganz plötzlich.

Hannes Treichl

Hannes Treichl

In diesem Blog findest du persönliche Gedanken, Geschichten über beHERZte Menschen, außergewöhnliches Marketing und kreatives Denken. Mehr über mich steht hier ».

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