Mit einem Lächeln spult er die letzten 400 Meter ab und meint kurz darauf: „Ich habe meinen Traum realisiert.“ Wetten, dass dies in absehbarer Zeit noch mehr Läufer tun werden?

Ähnliches, was Eliud Kipchoge dieses Wochenende geschafft hat, gelang 65 Jahre zuvor Roger Bannister.

Auch er unterbot eine bis dahin als unmöglich geltende Leistung. Lief als erster Mensch die Meile unter 4 Minuten. Nur eineinhalb Monate später, gelang dies bereits einem weitern Läufer. 37 weitere folgen noch im selben Jahr. Ein Jahr später waren es schon über 300.

Szenenwechsel // „Das klingt wie ein Märchen“, sagt unlängst ein Freund zu mir leicht verzweifelt und ungläubig. Er und seine Kollegen hatten lange über neue Ideen, neue Wege und eine Vision nachgedacht. „Und weil es wie ein Märchen klingt“, fährt er fort, „ist es unrealistisch.“

Heute, wenige Wochen später, ist aus dem Märchen ein komplexes Projekt geworden. Seine Augen funkeln hoch motiviert, wenn er über Feedbacks, die Unterstützung anderer und konkrete nächste Schritte erzählt.

Vieles, das anfangs wie ein Märchen klingen mag, weil es unrealistisch und außergewöhnlich erscheint, können wir später immer noch so formen, dass es realistisch umsetzbar ist und dennoch außergewöhnlich bleibt. Aus ganz gewöhnlichen Ansätzen hingegen außergewöhnliche zu zaubern, ist meist ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Stolperstein, der dabei oft am schwersten wiegt, ist gar nicht das Nichvorstellenkönnen des Neuen, sondern das Loslassen des Alten: von schlechten Erfahrungen und von der Meinung, dass etwas nie und nimmer funktionieren kann.

Bis uns Menschen wie Eliud Kipchoge oder Roger Bannister das Gegenteil beweisen.

Dann wachsen mehr und mehr Menschen, aus Träumen heraus – statt in ihnen fest.

Geschrieben von Hannes Treichl am 12. Oktober 2019