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Arnold Schwarzenegger trägt zwar den Beinamen „Steirische Eiche“, aber das scheint den steirischen Apfelbauern wohl egal gewesen zu sein. Sie setzen das Gesicht des kalifornischen Gouverneurs jetzt zum Marketing für Äpfel aus der Steiermark ein.

Große, rotbackige Äpfel werden in ein edles, schwarzes Schachterl gesteckt, mit serviert wird eine Serviette. Soll doch der Apfel als Snack für zwischendurch sein, nur eben gesünder als die bekannten Pausenfüller. Geht das Konzept von Hohensinner auf, so wird man den „Arnold“-Apfel künftig in Kinos, Fitnesscentern oder gar auf Flughäfen antreffen.

Das Marketingrezept:

  • Steck den Apfel in eine schwarze Hochglanzverpackung,
  • mach ihn somit unterscheidbar von den dutzenden anderen Sorten, und
  • verkauf ihn statt im Bulk einzeln und
  • 3x so teuer wie alle anderen im Supermarktregal.

Ein paar Cent aus den Erlösen sollen in einen speziellen Fonds gehen, aus dem karitative Organisationen, von Härtefällen betroffene Bauernfamilien oder Studien zur Entwicklung von Marketingstrategien finanziert werden sollen.

Hatten wir das nicht schon einmal bei der Spreewald Gurke?

spreewald-gurke.jpgStatt ihre Gurken in ein langweiliges Vorratsglas zu stecken, ersann man eine äußerst pfiffige Verpackung für das Produkt und erreichte damit ein hochgestecktes Ziel: einen uncoolen Artikel zu satten Preisen an den Mann und die Frau zu bringen.

Die Lösung: Man steckt große Gurken in kleine Dosen und deklariert diese als Snack- Mahlzeit für zwischendurch. „Get One“, die Dose mit einer einzigen handverlesenen, großen Gurke, wird über Tankstellen, Supermärkten, Discos und Sportstudios als Trendprodukt verkauft – für 1,50 bis 2,20 Euro – ein satter Preis für eine einzelne. (Differentthinking)

Nochmal zurück zum Schwarzenegger-Apfel: Wer genau wissen will woher der Apfel kommt, kann auf der Homepage von Frutura anhand der Chargennummer den Obstgarten und den Obstbauern ausfindig machen, von dem der Apfel stammt. Auch das soll dem Apfel noch mehr Heimatverbundenheit (und Glaubwürdigkeit) geben. (vgl. „Woher kommt mein Steak?“)

frutura.jpg
Screenshot: Frutura

Hatten wir also also schon, aber was beweist das? Gar nichts. Differenzierung funktioniert immer wieder. Man muss das Rad nicht unbedingt neu erfinden. Oft genügt es ein wenig zu recherchieren und Bestehendes anders zusammenzusetzen.

Beispiele die zum Nachdenken anregen sollen gibt es bei anders|denken oder bei meinem Freund Burkhard zur Genüge.

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Quellen: Frutura und Kleine Zeitung | Foto: Mein Nokia N95 in der Warteschlange im Supermarkt

Geschrieben von Hannes Treichl am 29. Oktober 2007