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Wer bestimmt eigentlich, wie lange ein Gast im Kaffeehaus sitzen bleiben darf? Im Café Zifferblat ist dies einzig und allein die Zeit. Und diese bestimmt auch den Preis, der beim Verlassen des Cafés auf der Rechnung steht. Getränke und Snacks, die während des Aufenthalts konsumiert werden, sind inklusive.

Beim Betreten des Café Ziferblat wird die Eintrittszeit notiert. Die Gäste suchen sich einen alten Wecker aus, den sie mit an den Tisch nehmen. Die Zeiger sind stehen geblieben. Der Wecker hat nicht mehr als Symbolfunktion. Er soll sagen: Hier spielt es keine Rolle, wie lange du bleibst oder wie viel wenig du konsumierst. In der Londoner Filiale kostet eine Minute Aufenthalt in etwa 6 Cent.

Ein Treffpunkt mit Wohnzimmeratmosphäre will das Café Ziferblat sein. Ohne Konsumzwänge. Jeder Gast trägt auf seine Weise zur Atmosphäre bei. Wer mithilft, bekommt Zeit geschenkt.

In essence, freedom consists of the possibility to influence what’s happening in one’s environment. It’s important to us that any person who comes to Ziferblat feel at home here. Any visitor can become a volunteer at any time, helping Ziferblat and receiving in return free time in the free space.

Wie alles begann.

Ich liebe Geschichten und das Storytelling des Café Ziferblat ist ein einziger Genuss. Ein Beispiel ist die Geschichte über die Entstehung der Cafés:

Alles begann mit Gedichten. Junge Künstler wollten trieste Häuserfasaden freundlicher machen und hängten kleine Zettelchen mit Gedichten auf. Die Künstler trafen sich an öffentlichen Plätzen, wo neugierige Blicke störten. Oder in Kaffeehäusern, in denen sie von Kellnern immer wieder mit ärgerlichen Blicken bestraft wurde: „Seid ihr zum Konsumieren hier, oder zum Zeit verschwenden?“

Ein eigener Treffpunkt musste her. In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre sollte neue Poesie entstehen können. Die Gruppe mietete ein leer stehendes Baumhaus. Doch schon bald platzte auch das aus allen Nähten denn viele brachten Freunde mit, die Freunde mitbrachten die wieder neue Freunde anlockten. Zeit zu expandieren. Eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Anfang.

2014 hat das Team in London die erste Filiale außerhalb Russlands eröffnet. Weitere sollen folgen. Das Baumhaus gibt es noch immer. Es dient heute als Headquarter der Marke Café Ziferblat.

Fotos: www.ziferblat.net

Hannes Treichl

In diesem Blog findest du persönliche Gedanken, Geschichten über außergewöhnliches Marketing, kreatives Denken und das Tun beherzter Menschen. Mehr über mich »