„Ich diene Mitbewerbern gerne als Informationsquelle, dann wissen sie nämlich, wo sie mich finden, wenn sie mehr wissen wollen oder Unterstützung brauchen.“

johann-fischler-conserio.jpgIch habe gestern auf seine 34-teilige Business Plan Serie verwiesen. Bereits vorher habe ich Joe Fischler, Österreichs erfolgreichstem Finanzblogger einige Fragen über seine Motivation zu der kostenlosen Serie und seinem Blog gestellt.

„Ich habe viele Menschen kennengelernt, auch Kunden konnte ich über das Blog gewinnen.“

Herausgekommen sind 15 Antworten von denen einige vielleicht dem einen oder anderen Leser bei der Entscheidung „Eigenes Blog ja/nein“ weiterhelfen könnten.

In 34 Teilen erklärst du deinen Lesern so ziemlich alles was man rund um den eigenen Business Plan wissen sollte. Warum stellst du kostenlos dein Wissen ins Internet?

Das Internet bietet an sich schon tolle, kostenlose Wissensplattformen, z. B. Wikipedia. Früher musste man hunderte Euros für eine Enzyklopädie ausgeben, die dann zuhause vor sich hinstaubte. 99,99% der darin enthaltenen Informationen waren für den „BeSITZER“ irrelevant und daher wertlos.

Meine Erfahrung und Ausbildung wären ebenso wertlos, wenn ich sie nicht mit anderen teilen würde. Der Wert besteht für mich nicht in Euros, sondern in der Positionierung als Ratgeber. Das ist eine sehr langfristige Sichtweise. Ich sage dazu „Wer gewinnen will, muss zuerst investieren“. Ich investiere in zukünftige Beziehungen. Wie und was ich dabei gewinne, weiß ich heute noch nicht.

Häufig gestellte Frage: Hast du nicht Angst davor dadurch Kunden zu verlieren statt zu gewinnen?

Ich glaube, ich werde langfristig Freunde gewinnen und Sorgen verlieren.

Ich höre jetzt schon einige deiner Mitwerber lachen: „Wieder so einer der uns kostenlos Informationen liefert.“ Was sagst du dazu?

Ich diene Mitbewerbern gerne als Informationsquelle, dann wissen sie nämlich, wo sie mich finden, wenn sie mehr wissen wollen oder Unterstützung brauchen.

Seit wann gibt es dein Blog?

Das conserio-Blog gibt es seit September 2007.

Was hat dir das Bloggen gebracht? Hat es überhaupt gebracht?

Es hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Ich bin von Beginn an diszipliniert an die Sache gegangen und habe versucht, möglichst viele interessante Artikel online zu stellen. Am Anfang rührte sich erstmal gar nichts, aber ich bin drangeblieben, auch wenn es manchmal schwer fiel. Die Vernetzung unter Bloggern hat mir sehr geholfen, Besucher auf meine Seite zu bekommen. Schließlich hat sich auch Google „erbarmt“ und mir Leser gebracht. Irgendwann merkt man dann, was ankommt und was nicht. Ich habe versucht, Blog und Posts laufend zu verbessern. Jetzt bin ich schon sehr erstaunt über die Entwicklung. Ich habe viele Menschen kennengelernt, auch Kunden konnte ich über das Blog gewinnen. Klare Empfehlung für Blogs!

Ich erinnere mich an unsere erste Diskussion als wir dein Blog umgesetzt haben – damals hast du das Blog noch unter einer Sub-Domain „versteckt“. Heute komm ich bei Klick auf conserio.at sofort in dein Blog. Wie kam es zu diesem Sinneswandel.

Das ist erst seit kurzem so. Ich hab mir überlegt: Der Besucher hat ein konkretes Problem, nach dem er über Google gesucht hat, z. B. „brauche Investor“. So kam er zum jeweiligen Blog-Post. Wenn er/sie dann auf „home“ geht oder conserio anklickt, kommt die Unternehmens-Startseite, von der ein Leser keinen konkreten Nutzen hat. Das hat mir nicht mehr gefallen. Jetzt stehen auf der Hauptseite die neuesten Beiträge. Zusätzlich mache ich Besucher mit dem neuen Header-Display auf neue Posts aufmerksam. Die Homepage/Der Blog wandelt sich ständig und ist immer aktuell – das gefällt mir.

Hast du noch eine „normale“ Webseite?

Was ist „normal“? Aber im Ernst: Ich habe die Differenzierung zwischen Blogs und Homepages nie verstanden. Wo ist der Unterschied? Beim einen ist die Navigation links, beim anderen rechts, aber auch nicht immer, und die Funktionen sind unterschiedlich. Aber man kann jede Homepage wie ein Blog betreiben und umgekehrt. Die „klassische Homepage“ hat für mich ausgedient. Wer nicht bereit ist, laufend Informationen mit der Internet-Gemeinde zu teilen, ist oft besser beraten, nur eine Visitenkarte online zu stellen. Du kennst die tausenden 08/15-Homepages mit Fotos von der Weihnachtsfeier 1999. Da kann man sich als Firma ganz schön blamieren. Ich habe alle meine Homepages als Blogs aufgebaut, und entwickle sie laufend weiter.

In deinem Blog mischst du Fachbeiträge aus der Finanzwelt auch mit provokativen Themen wie zuletzt der Flugfrequenz am Flughafen Innsbruck. Fürchtest du nicht um deine Reputation? Politik oder Tourismus könnten dir das übel nehmen, gleichzeitig brauchst du die selben Kontakte als Unternehmer.

Ich denke, ein Blog muss persönlich sein und soll die eigene Meinung wiedergeben. Das ist ein großer Vorteil, den andere Medien, auch Wikipedia, nicht haben. Was Blogs ausmacht, sind die Blogger, man kann sie „angreifen“. Ich kann sagen: „Ah – anders|denken – das ist der Hannes!“, aber nicht: „Ah – Die Neue Zürcher Zeitung – das ist der Erich!“ Auch ein Nachrichtensprecher darf niemals sagen, was er/sie von aktuellen Entwicklungen hält, ich schon. Wenn mir das jemand übel nimmt, ist er/sie herzlich eingeladen, ein Kommentar zu hinterlassen, es wird garantiert nicht gelöscht, und ich werde gerne darauf antworten.

Wieviel Zeit investierst du ins bloggen?

Das ist ganz schwer zu sagen. Es hängt davon ab, was ich sonst noch so zu tun habe. Ich achte schon auf einen geregelten Tagesablauf und entspreche daher nicht dem typischen Bild. Die Arbeit für meine Kunden hat oberste Priorität. Die Zeit dazwischen fülle ich damit aus, mich um das Blog zu kümmern oder Web-Projekte weiterzuentwickeln. Das Bloggen sehe ich dreigeteilt: Recherchieren und Posts schreiben, Netzwerk pflegen und das Blog als Ganzes verbessern. Ich versuche, mir die Zeit so einzuteilen.

Ich werde oft gefragt woher die Ideen für Beiträge im Blog kommen. Woher nimmst DU die Ideen für deine Artikel?

Gott sei Dank tu ich mich da sehr leicht. Ich kann mich hinsetzen und zu schreiben beginnen. Natürlich gibt es Impulse, wie die Nachrichten, Blog-Posts oder einfach den lärmenden Flughafen. Vor ich den Beitrag verfasse, sage ich mir „Ich bin nicht Wikipedia, und ich bin kein Kopiergerät“, und dann geht’s los. Soll heißen: Allgemeinwissen steht in Wikipedia, da genügt ein Link, um einen Fachbegriff oder ein Thema zu erklären. Und wenn ich mich auf einen fremden Beitrag beziehe, versuche ich, zusätzlich zu recherchieren und meine persönliche Sichtweise einzubringen.

Liest du andere Blogs?

Ja, natürlich! Ich verwende Google Reader und habe ca. 60 Blogs abonniert, 2/3 davon in englischer Sprache.

Hast du einen (oder mehrere) Geheimtipps?

Es sind eigentlich keine Geheimtipps, da beide Blogs mittlerweile Zig-Tausend Leser haben:

„the simple dollar“ von Trent Hamm dreht sich um finanzielle Absicherung, Kostenbewusstsein, Schuldenbekämpfung und Lebensqualität für Menschen „wie Du und ich“.
Er schreibt sehr natürlich, einfach und offen, und hat sich damit zum bekanntesten Personal-Finance-Blog der USA (der Welt?) gemausert.

„ProBlogger“ von Darren Rowse: Darren schafft es, alles zu behandeln, was einen Blogger interessieren könnte. Man spürt seine Begeisterung. Mir gefallen das
nutzerfreundliche Design, die Funktionalität und das wöchentliche „Video-Post“. Ein absolutes Vorbild für die Blog-Weiterentwicklung.

Ich find Google Adsense auf deiner Seite sehr praktisch. Immerhin blendet Google dort stets Informationen direkter Konkurrenten von dir ein. Warum tust du dir das an?

Die Seitenbesucher kommen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Selbst wenn sie alle zu mir wollten, ich könnte sie gar nie selbst betreuen. Das wäre falsch gedacht. So ist conserio eine Plattform, auf der sich Angebot und Nachfrage überregional treffen können.

Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich für conserio an sich nur sehr wenig bis gar keine Werbung mache. Adsense ist ein Experiment, ich hatte es lange nicht auf der Seite und hab mich Mitte Dezember entschlossen, es nochmals zu versuchen. Das Resultat hat mich überrascht und bedeutet mittlerweile ein kleines Nebeneinkommen. Ein paar Anzeigen musste ich bei Google sperren lassen, wie z. B. „Fettabsaugung Tirol“ – passte irgendwie nicht. Es ist kein Problem für mich, wenn „Konkurrenten“ auf meiner Homepage inserieren, solange es seriöse Angebote sind. Es soll ja schon bald eine Adsense-Zentrale geben, in der man genau das steuern kann.

Ich denke aber, es gibt noch bessere Einkunftsquellen für Blogger. Doch die beginnen erst bei soundsovielen tausend Pageviews im Monat. In den USA findet man immer öfter einen „Donate“-Button auf Blogs, wo
ich dem Blogger einen kleinen Betrag zukommen lassen kann, wenn mir ein Artikel etwas gebracht hat. Dafür ist die Zeit in Europa noch nicht reif, vielleicht liegt es auch an der grundsätzlich unterschiedlichen Mentalität. Wär eigentlich Wert, darüber zu philosophieren, oder nicht?

Du betreibst auch noch das Unternehmen Tyroweb wo du „hochwertige Webseiten und Web 2.0 Auftritte“ anbietest. Ist das nicht eine brutale Vermischung komplett unterschiedlicher Themen?

Ich liebe es, am conserio-Blog herumzubasteln, und so kamen Freunde mit der Bitte zu mir, ihnen auch ein solches Blog zu programmieren. Auf tyroweb.at präsentiere ich die bisherigen Arbeiten. Tyroweb wird in Zukunft aber eher in die Richtung Internetmarketing gehen. Ich glaube, es gibt bei heimischen Firmen großen Nachholbedarf, Produkte und Leistungen über das Internet zu vertreiben. Die meisten Unternehmer wissen überhaupt nicht, wie sie das angehen sollen, und investieren tausende Euros nach dem Gießkannenprinzip in Adwords-Kampagnen, bunte Flash-Homepages oder Webkatalogeinträge. Dann wundern sie sich, warum sie viel bezahlen und die Besucher ausbleiben. Auch hier habe ich eher den Ansatz, mein Wissen zu teilen, als Profit zu machen. Wenn ich irgendwann davon leben kann, hab ich natürlich nichts dagegen. Wenn man will, kann man in diesem Bereich den gemeinsamen Nenner von conserio (Unternehmensberatung) und tyroweb (Web) erkennen.

Und wie steht es mit der Positionierung deiner Person? Passt das zusammen?

Wie sagt ein Freund zu jeder passenden Gelegenheit? „Da sind wir ganz flexibel.“ Ich glaube, Vielseitigkeit und Flexibilität werden für unsere Generation immer wichtiger. Schließlich haben wir noch sehr viel Zeit bis zum Ruhestand. Was mich heute über Wasser hält, kann mich morgen schon hinunterziehen. Ich habe in meiner Bankzeit gesehen, wie man heute mit älteren Arbeitnehmern umspringt. Das hat mich geprägt und selbständig gemacht. Heute denke ich: „Je mehr ich unternehmen kann, umso sicherer bin ich.“ Ich werde sowohl conserio
als auch tyroweb weiterentwickeln. Vielleicht kommt ja noch ein weiterer Bereich dazu?

Welche Pläne hat Joe Fischler für das Conserio Blog?

Ich sehe die Zukunft von conserio darin, kostenlose Wissens- und Meinungsplattform zu sein. Vielleicht gewöhne ich mir das Schreiben von Serien noch an und entwickle darauf aufbauend Publikationen und Fachbücher. Mir schweben schon einigen Ideen im Kopf herum. Besucher könnten das Entstehen eines Ratgebers online mitverfolgen, Erfahrungen einbringen und mitgestalten. Das würde mir gefallen.

Vielen Dank für das Gespräch und vor allem für deine Business Plan Reihe!

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Hannes Treichl

Hannes Treichl

In diesem Blog findest du persönliche Gedanken, Geschichten über beHERZte Menschen, außergewöhnliches Marketing und kreatives Denken. Mehr über mich steht hier ».

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