„Hör deinen Kunden zu, beschäftige dich mit ihren größten Problemen und löse sie.“ – Das kann, wie im nachstehenden Beispiel hervorragend gezeigt, zu großem Geschäftserfolg führen…

Vor 34 Jahren kam ein Bekannter zu Helena Kapp und erzählte ihr von einem – seinem – Problem. Gerade eben hatte er ein Buch über die Biere dieser Welt gedruckt, als er in Überschrift „Von Großbritannien bis Irland“ einen Druckfehler entdeckte. Statt „Irland“ stand da nur „Irla“.

Helena war Mutter eines kleinen Kindes und fühlte sich ohnehin nicht ausgelastet. Kurzerhand trommelte sie alle Mütter ihrer Krabbelgruppe zusammen und „reparierte“ die gesamte Auflage der Bücher. Eine Geschäftsidee war geboren…

Heute beschäftigt Helena Kapp 15 Mitarbeiterinnen, die angefangen von verdruckten Magazinen bis hin zu Erotikmagazinen und Katalogen einfach alles „reparieren“, wo der gemeine Fehlerteufel zugeschlagen hat.

Hat der Druckfehlerteufel wieder zugeschlagen (er ist bekanntlich in der digitalen Vorstufe auch aktiv), sind wir die Retter der bereits gebundenen Druckauflage. Am fertigen Produkt, unabhängig von der Bindetechnik, werden die mangelhaften Seiten sachgerecht ausgetauscht.

Dies geschieht so gut, dass einmal ein Kunde reklamierte, sein Belegexemplar wäre nicht bearbeitet worden. Tatsächlich hatte er jedoch die Ersatzblätter mit den gleichen falschen Daten geliefert.
(www.kapp-gmbh.de)

Lohnt sich der Aufwand wirklich?!

In einem Interview mit Brand Eins erklärt sie anhand eines Beispiels verdruckter Prospekte:

„Beim Einstampfen wäre ein Schaden von einer halben Million Euro entstanden. Kapp & Co haben die Schwarte für 30.000 Euro repariert. Falsches raustrennen, Korrigiertes reinkleben, fertig.“

Eine krisensichere Geschäftsidee, denn Fehler gab es immer und wird es auch immer geben. Frauen wie Helena Kapp, die Einfallsreichtum und Unternehmergeist auszeichnen, hoffentlich auch.

Geschrieben von Hannes Treichl am 16. September 2010