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tourismus_oesterreich.jpgFoto: Flickr
Die Beispiele der vorangegangen Beiträge (hier und hier) klingen zu einfach? Sie sind auch einfach, ihr einziges ‘Geheimnis’ liegt daran, dass sie umgesetzt wurden.

Eines aber gleich vorab: Ich schreibe diesen Beitrag in erster Linie für Touristiker, die gerne über die Potenziale vieler noch wenig genützter Marktchancen nachdenken, und nicht vorrangig für Web2.0 Freaks.

Tourismus und Gastronomie…

… zählen gerade in meiner Heimat zu den wirtschaftlichen Standbeinen einer ganzen Region. Ich freue mich auf den Tag, an dem verschiedenste Organisationen Menschen und Unternehmen dabei unterstützen, in Blogs Geschichten zu erzählen, Hotelbetriebe ihre Gäste motivieren Bewertungsplattformen zu nutzen, in eigenen Blogs oder ’social networks’ über authentische Erfahrungen zu berichten, und man sich bei Gästen, die Fotos und Videos ins Netz stellen um sie mit der ganzen Welt zu teilen, bedankt.

Warum und wozu?

Weil all das neue Zugangspunkte zur eigenen Homepage, jener des Ortes, der Region, des Landes öffnet. Weil Long Tail Denken Handeln eine sinnvolle Ergänzung, und kein Ersatz, zu bestehenden Werbeaktivitäten ist. Und weil 1000 Blogs zig-tausendfach gelesen, zitiert und kommentiert werden.

You can blow out a candle, but you can’t blow out a fire
Once the flame beginns to catch, the wind will blow it higher
(Peter Gabriel)

Mundpropaganda und persönliche Erfahrungen…

… stehen über jeder noch so stark geredeten Marke. Martin Schobert schrieb dieser Tage im Kulinarisch Reisen Blog der Österreich Werbung (selbst)bewusst provokant:

[...] auch Blogger haben das Ganze erwartungsgemäß aufgegriffen. Doch schließlich kann man Negativ-Werbung auch positiv sehen. Ist ja immerhin auch eine Werbung.

(Wer nicht genau weiß worum es hier geht, schaut am besten selbst im Blog Österreichs höchster Werber vorbei, denn die kommen immer besser in Schwung.)

Mundpropaganda-Ängste…

… sind normal. Mundpropaganda kann ich zwar irgendwie auslösen, später aber kaum beeinflussen. Wenn, dann am ehesten mit außergewöhnlichen Produkten und Leistungen die begeistern. Was wir Menschen nicht oder nur eingeschränkt kontrollieren können, hat uns seit jeher Angst gemacht – das liegt in der Natur der Sache.

Dialogmarketing und virale Effekte…

… sind noch zu wenig erprobte Felder. Das bestätigt ein Blick in Bibliotheken, wo das Thema im Vergleich zu klassischen Marketingsätzen noch immer unterrepräsentiert ist. Marketer und Werber haben nach Jahrzehnten der Marktschreierei noch zu wenig Erfahrung im Umgang mit Gesprächen. Mailings, Werbe-DVDs und interaktive Kataloge sind noch längst kein Dialog – auch wenn sie sich hervorragend für Pressemitteilungen und Selbstbeweihräucherungen eignen.

Stefan Niemeyer, Marketingleiter vom Romantikhotel Schloss Rheinfels, einem der wenigen Hotels mit eigenem Blog, schreibt in einem Kommentar:

Es schlummert immer noch in der deutschen Gastronomie und Hotellerie, wenn es um die Individualität, Transparenz und Ehrlichkeit im Netz geht.

“Ich will nur Zimmer verkaufen”,
“Jeder kann Kommentare schreiben und mich bewerten?”,
“Den Gast interessieren nur Preise, Fotos und Anfahrt.”

… – sind dann wohl die regelmäßigen Ängste und Befürchtungen. Ein Paradoxon für sich. Keine Branche kann besser Geschichten erzählen, direkten Gastkontakt haben und Bindungen aufbauen. Keine Branche kann eigentlich Unsummen an Anzeigengeldern sparen und auf Kaltakquise nahezu verzichten, wenn es einfach kontinuierlich und ehrlich auf seinen bestehenden Gäste baut.

Das Internet ist und bleibt ‘nur’ ein Instrument. Es ist ein Baustein im Management von Kundenbeziehungen – aber einer, der zum Fundament des Gebildes gehört. Stefan weiter:

Das das Internet hierfür das größte Geschenk für die Gastro- und Hotelszene seit Erfindung der “Benutzte-handtücher-auf-den-Boden-schmeißen-Aufkleber” ist, werden wohl manche nur schwer begreifen!

Wie einst Neros Daumen repräsentiert ‘das Netz’, die neue Macht der Kunden, die darüber entscheiden, ob sie sich tödlich rächen und eine Marke schädigen wollen, oder deren Leben retten, indem sie über sie reden – und dabei mitgestalten. Robert Basic dazu:

Für die Statistiker unter uns: wenn ich an einem Tag +5.000 Menschen informieren kann, dass die Firma XYZ eindeutig und ziemlich heavy betrügt, wissen das durch simple Mundpropaganda-Effekte innerhalb 1 Monats sagen wir mal bestenfalls 1.125 Mio Menschen (5000*15*15). Schlimmstensfalls 5000 Menschen. 5000 oder 1.125.000? Was macht das schon, im Vergleich dazu, was ich vorher tun konnte.

Mit den neuen Spielregeln…

…müssen sich auch alle Betriebe des so stark vom Internet abhängigen Tourismus-Segments viel intensiver auseinandersetzen. Sich berieseln zu lassen und darauf zu warten, dass irgendwann irgendjemand erklärt ‘Am 1. März beginnt die Zukunft, und so bewältigt Ihr sie’, reicht ebenso wenig aus, wie einzig und allein auf Suchmaschinenoptimierung, Google Ads oder eine sündhaft teure, mit Werbepreisen ausgezeichnete (und immer noch schwächer als so manches Blog frequentierte) Homepage zu setzen.

neue_regeln.jpgFoto: Adri via Flickr

Es gibt 3 Wege…

…wie Menschen mit Veränderungen umgehen. Ignoranten und Schläfer sind selber schuld. In Letargie zu verfallen und der ‘guten alten Zeit’ nach zu trauern, in der Kunden machtlose Marionetten ohne eigene Stimmen waren, ist ebenso die Vorbestellung des eigenen Grabsteines.

Wer wirklich lösungsorientiert denkt und handelt…

…wird seine Chancen erkennen und nutzen. Eine davon liegt darin, seine Marke, seine Geschichten und seine Persönlichkeit auf (noch) unkonventionell erscheinende Art und Weise in die Welt hinauszutragen, und aktiver Teilnehmer an den Gesprächen zu werden, statt passiver Zuschauer. Wem das gelingt, wird am Ende zu den Glücklicheren gehören.

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10 Kommentare zu “Chance Web2.0: Tourismus und Gastgewerbe (III)”

  1. Hannes, super Beitrag!
    Gilt das eigentlich nur für den Tourismus in der Alpenregion? ;-)
    Wir sind im Moment dabei mit dem venturepark Blomenburg zu überlegen eine Blogger-Konferenz zum Thema Tourismus zu veranstalten.
    Wenn alles klappt, dann evtl. im Mai. Wäre doch toll, wenn Du dort zumindestens online teilnehmen könntest.
    Wobei persönlich wäre auch nicht schlecht, dann könntest Du ‘mal etwas anderes sehen, als immer nur Berge ;-)))

  2. Peer Dittmar sagt:

    Klasse Beitrag, zumal Tourismus ein People Business ist und Kommunikation eine wesentliche Grundlage für den Geschäftserfolg bildet.

    Ich persönlich glaube, Weblogs sind für Touristiker DAS Kommunikationsmedium. Warum?

    Die Inhalte von Weblogs sind am Bsp. Text nie abgeschlossen. Texte ohne Rand also, und Texte, die der Kommunikation keine Grenzen vorgeben – vielmehr ist es die Kommunikation selbst, die sich Grenzen setzt. Und diese Grenzen sind vermutlich sehr weitläufig, und deswegen beeinflusst die Dialogfähigkeit den Geschäftserfolg. Siehe auch: http://www.leancommunication.org/2007/02/medienrevolutio.html

  3. In Eurer Region kann ich Euch auch die Kontaktaufnahem zu Helge Siems empfehlen:
    http://www.helge-siems.de/
    u.a. mit dem Blog
    http://bauernhof-ostsee.de/bauernhofurlaub/

    Er hat in meiner Region, in der Fränkischen Schweiz auch das Blog/Website fuer ein Hostel gemacht, die ich als sehr gut erachte:
    http://www.abseits.de/weblog/2006/08/hostel-factory41.html

    Nicht zuletzt gibt es im Norden mehrere Fachhochschulen mit einschlägigen Studiengängen:

    FH Stralsund
    http://www.fh-stralsund.de/mitarbeiter/powerslave,id,1,nodeid,174.html

    FH Westküste:
    http://www.fh-westkueste.de/fhw/studiengaenge/im/index.php

    FH Oldenburg, Ostfriesland, Wilhelshaven
    http://www.fh-oow.de/studium/studiengaenge/index.php?id=61&einzel=1&lang=de

  4. McNet sagt:

    Hype und Worthülse “Web 2.0″:

    “Die Investoren streifen den Profit ein, den das emsige Tun der zahllosen Internet-Nutzer erzeugt” …

    Sehr geehrter Herr Treichel! Ihre “Hype-Artikel” der letzten Wochen rund um das Thema Web 2.0 sollten Sie auch mal unter einem ganz anderen Gesichtspunkt beleuchten:

    An “Web 2.0″ als Inbegriff eines neuen gesellschaftlichen Aufbruchs scheint zurzeit kein Weg vorbeizuführen. Aber geht es bei dem aktuellen Hype rund um die Worthülse “Web 2.0″ denn wirklich um die Einlösung der ursprünglichen sozialen Utopien, die mit dem Entstehen des Internets verknüpft waren? Bietet “Web 2.0″ tatsächlich Zugang ohne Hürden für alle, lässt es jeden endlich nicht mehr nur Empfänger sondern auch selbst Sender sein, öffnet sich hier ein riesiger sozialer Raum der Zusammenarbeit und der Diskussion, entlarven mutige Blogger einseitig berichtende Massenmedien und brutale Diktatoren, kurz: Erlaubt die Informations- und Kommunikationstechnologie den Menschen, endlich ihr Potenzial für Gerechtigkeit und Freiheit auszuleben?

    Ein solches Internet, in dem “Jeder ein Künstler” ist, lässt einen an die Idee des Joseph Beuys von der “sozialen Plastik” denken, der diesen Begriff lange vor dem Entstehen des Internets in Zeiten eines früheren gesellschaftlichen Aufbruchs, jenem der 1960er- und 70er-Jahre geprägt hatte.

    Beuys ging es um ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft, ihm war der Prozess des kreativen Denkens und politischen Handelns wichtiger geworden als das Herstellen eines materiellen Kunstobjektes. Seine auf der Documenta 7 im Jahre 1982 gepflanzten “7.000 Eichen” stehen als Symbol für seinen Gedanken. Als Joseph Beuys im Jänner 1986 starb, sollte es nur mehr drei Jahre dauern, bis Tim Berners-Lee im März 1989 sein legendäres Proposal an CERN vorlegen würde, das am Anfang des World Wide Web und damit der – gewollten oder ungewollten – Einlösung Beuysscher Ideen stand.

    Aber wurden seine Ideen wirklich eingelöst? Als die bekannte Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre geplatzt war, schien sich eine Rückeroberung des Internets als sozialem Raum abzuzeichnen. Und tatsächlich bot das Netz – während die Finanzmärkte und die Medienkonzerne ihre Wunden leckten – wieder Raum für neue Entwicklungen mit hohem utopischen und emanzipatorischem Potenzial: Wikis, Blogs, Peer-to-Peer und so weiter. In der neuen Begeisterung aber wurde gerne übersehen, dass die Infrastrukturen in die Hände der Konzerne gewandert waren, die neue Emanzipation also in einem hoch konzentrierten und immer zentralisierteren Raum stattfand, der längst kommerziell definiert war.

    Die Rede vom “Web 2.0″ steht fast schon symbolisch für eine neue soziale Revolution, diese Revolution aber passiert längst nur mehr von Gnaden der Medien- und IT-Konzerne, die gelernt haben, sich die Vorteile von Open-Source-Software – also die Errungenschaften engagierter Programmierer – zunutze zu machen. Die Millionen begeisterter Menschen, die ihre Blogs voll schreiben, ihre Videos uploaden und ihre Avatare in “Second Life” umherschicken, machen sich zu willigen Sklaven der Medienunternehmen, denen immer mehr der so beliebten Plattformen eigentlich gehören.

    Die Investoren streifen den Profit ein, den das emsige Tun der zahllosen Internet-Nutzer erzeugt. Das klingt nach alt-marxistischer Rhetorik und in der Tat lassen die aktuellen Verhältnisse rund um das Internet und die Medienwelt den Wunsch nach einer ähnlich scharfen Analyse wachsen, wie sie Karl Marx für die Industrialisierung vorgelegt hatte.

    Doch die Verhältnisse sind glücklicherweise unübersichtlich genug, dass es auch noch Raum für Engagement gibt, das noch nicht betrogen wurde, dass es noch und wieder Initiativen und Kunstprojekte gibt, die mit den Verhältnissen kritisch verfahren und sich dem kommerziellen Dogma verweigern.

    Die Kategorie “Digital Communities” des Prix Ars Electronica entstand 2004 mitten in dem neuen sozialen Aufbruch des Internet, stets auch mit einem wachen Blick auf Initiativen aus den Ländern des globalen Südens. Auch 2007 bietet sie ein Forum speziell für kritische Projekte – von Kunst bis Social Software. Der Einsendeschluss naht – 9. März 2007. Und vielleicht pflanzt ja jemand noch schnell 7.000 Eichen in “Second Life”.

    Quelle: http://oe1.orf.at/highlights/75375.html

  5. McNet sagt:

    Hype um Worthülse “Web 2.0″ führt in die Irre: Die Investoren streifen den Profit ein, den das emsige Tun der zahllosen Internet-Nutzer erzeugt.

    S.g. Herr Treichel, ich verfolge nun schon seit Wochen Ihre “Hype-Artikel” rund um das Thema “Web 2.0″ Irgendwann wird mir das alles zuviel …

    Ich würde mir wünschen, daß Sie das Thema mal richtig reflektieren, vielleicht hilft Ihnen folgender Artikel dazu: http://oe1.orf.at/highlights/75375.html

  6. @Jörg
    Danke für die Einladung, meine Antworten dazu hast du ja bereits per mail erhalten.

    @Dittmar
    Nicht nur fürs Feedback danke, sondern vor allem auch für den Hinweis auf leancommunication, das inzwischen meinen Feedreader bereichert!

    @McNet
    Ich kannte den Beitrag bislang tatsächlich noch nicht, danke für den Hinweis! Mir geht es (zumindest in diesem Blog) vor allem um eines: Zu zeigen, wie das Internet als ‘Instrument’ ins eigene Business sinnvoll und ohne ‘Hype-Gedanken’ integriert werden kann. So dass es Sinn ergibt und andere Geschäftsaktivitäten unterstützt. Nicht mehr und nicht weniger.

    Philosophische Betrachtungsweisen im Sinne des oe1 Beitrages lese ich sehr gerne, deren ‘Durchleuchtung’ überlasse ich aber besser jenen, die dazu die richtigen Worte finden. Über weitere Hinweise zu guten Beiträgen in diese Richtung freue ich mich jederzeit!!

  7. Danke für diesen und die anderen Artikel zu diesem Thema, war grad auf der Suche nach Ideen in diesem Bereich und jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen :) Wirklich super vielen Dank und Gruß aus Schwäbisch Hall, dass ich als Ausflugsziel in diesem Zusamenhang auch nur wärmstens empfehlen kann.

  8. @Hannes

    Danke für die Blumen – es freut mich, wenn der eine oder andere Beitrag die Gedanken auf Neues lenkt! Dafür soll das Blog da sein. Und Schwäbisch Hall kenne ich bereits – jetzt auch einen Bewohner :-)

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