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Russen, nein danke!

8. Februar 2007 | 13 Kommentare | Mitreden!

interkulturell.jpg

In vielen (auch internationalen Medien) war heute von Kitzbühler Quotenregelungen für Russen zu lesen.

Nicht mehr als 10% seien erwünscht, um ein Überhandnehmen des Anteils einer Kultur zu verhindern. Mittlerweile wird heftig dementiert, und von ‘Tourismus-Beratern’ kommt der bahnbrechende Vorschlag, diese Regelungen nicht zu publizieren sondern lieber unter dem Mantel des Schweigens umzusetzen. – Als hätte Schweigen schon jemals die eigentlichen Probleme gelöst.

Tatsache ist, dass sich noch immer viel zu wenige Hoteliers und Wirtschaftstreibende Gedanken über interkulturelle Unterschiede und deren Handhabung machen und von interkulturellem Management keine Ahnung haben. Nicht einmal in Tourismus-Schulen findet interkulturelle Kompetenz derzeit Beachtung im Lehrplan, geschweige denn werden Bewohner von Tourismusgemeinden eingebunden.

interkulturelle_kompetenz.jpgEs geht nicht darum, die eigene Identität aufzugeben, sondern vielmehr um das Finden kritischer Überschneidungen von Denk- und Reaktionsmustern und gemeinsamer Knotenpunkte.

Wer sich interkulturell weiterentwickelt, wird definitiv erfolgreicher sein als andere!

Das gilt nicht nur für touristische Anbieter, sondern auch für das noch junge Internet-Startup, das soeben festgestellt hat, dass Schweden anders sind als Deutsche und jetzt nach China expandieren will.

Und weil es irgendwie zum Thema passt, ein kurzer Auszug aus unseren eigenen Erfahrungen bei interkulturellen Trainings über russische Urlauber:

  • Viele Konflikte zwischen Gästen ergeben sich durch Lärmbelästigungen im Gastronomiebereich der Hotels. Dabei lässt sich immer eine Lösung finden, um Gäste unterschiedlicher Nationen ihrem eigenen Statusempfinden zu plazieren – und zwar so, dass alle glücklich sind! Einzige Voraussetzung: Der notwendige Wille!
  • Die Rezeptionistin, die ihrem russischen Gast gut gemeint die Hand über den Counter entgegenstreckt, beschert diesem erst einmal auf herzliche Weise viel Unglück für den weiteren Urlaub.
  • Der Concierge meinte es gut, als er dem russischen Gast empfiehlt, sich an das Gemeindeamt zu wenden. Dass Russen alles hassen, was nach Verwaltungsapparat riecht, wusste er nicht.
  • Die Boutique-Chefin, die ihre russischen Kunden beim Betreten des Geschäftes jahrelang gut gemeint stürmisch mit ‘Kann ich Ihnen helfen?‘-Angeboten zuschüttete, hat nie wirklich etwas verkauft. Seit sie sich dessen bewusst ist, hat sie ihren Umsatz vervielfacht.
  • Hа здоровье! – ‘Wir möchten Sie bitten, auf Trinksprüche zu verzichten, unsere deutschen Gäste mögen das nicht.’ ‘Sie sagen mir gerade, dass ich – obwohl ich hier doppelt so viel ausgebe, weniger Wert bin als der Deutsche am Nebentisch?’ Ein russisches Abendessen ohne Trinksprüche ist wie eine Pizzeria ohne Pizza. Oder einem russischen Sprichwort gemäß: Trinken ohne Trinkspruch ist Trinksucht.
  • ‘Wir haben auch billigen Wein – falls Sie heute Abend viel trinken wollen.’ Mittelmäßigkeit? Bei anderen Nationalitäten durchaus angebracht, bei Russen gilt: Nur was kostet ist gut!

Noch etwas: Urlauber kaufen keine Übernachtungen, sondern die schönste Zeit des Jahres!

Ehrliche Begeisterung des Gastgebers schafft Begeisterung auch bei Gästen. Und auch zwischen Gästen, egal welcher Nationalität sie angehören!

Interkulturelle Kompetenz: experiences.at | Fotos: Flickr, Flickr

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13 Kommentare zu “Russen, nein danke!”

  1. bit2bit sagt:

    Ich würde da nicht von falschem “interkulturellem Management” reden, sondern eher von einem Unüberlgeten klischeebehafteten Blödsinn.

    Genau das hat auch die russische Sprecherin in der Reaktion darauf gesagt:

    “Wie sind nicht mal beleidigt. Es war einfach nur dumm.”

    Und wenn wir schon bei den Klischees dabei sind – ist es wirklich so ein Unterschied, ob ein Hinterwältler aus Russland, Arizona, Ostslowakei oder Fürstenfeld kommt?!

    Die heimische Hotellerie macht wahnsinns Kohle damit – fühlt sich aber so erhoben …

    Noch was: Sprüche wie “Ein russisches Abendessen ohne Trinksprüche ist wie eine Pizzeria ohne Pizza” ist in Etwa genauso wahr, wie: “Frauen können nicht einparken” …

    Überlebt und lächerlich …

  2. Danke Bit – und klischeehaften Blödsinn wird man genau dadurch los, indem man daran arbeitet.

  3. Text ausdrucken und einigen Holzköpfen an die Stirn nageln.

  4. Das Dementi des Kitzbüheler Tourismusobmanns war inhaltlich sehr flau: Die Renate Danler war vom Hahnenkammwochenende überlastet… Frau Danler ist für mich alles andere als Kirchturm und steht eigentlich für interkulturelles Denken! Wer mir zu denken gibt, sind – wie Hannes Treichl richtig bemerkt – die Gastgeber.
    Positiv ist, dass endlich darüber diskutiert wird.

  5. Det Mueller sagt:

    Alles schön zu lesen lieber Hannes, aber – auch an die Anderen – Klischees hin, Anstand her, ich kann die Sorgen eurer Geschäftsleute gut verstehen.

    Es geht hier nicht um Trinksprüche. Oder “mal über die Stränge” schlagen. Da hatten wir mit Engländern schon mehr als häufig unsere Erfahrungen. Und wir Deutsche selbst, benehmen uns in vielen Ländern schlimmer als Texaner. Darum geht es nicht primär.

    Es geht um Gewalt. Und um blanke Angst! Denn die Russen, die von denen hier und anderswo in ähnlichem Zusammenhang die Rede ist, sind wirklich übelster Herkunft. Selbst erlebt: Sie randalieren, sie sind überall laut und grell, nicht nur in Kneipen. Sie pöbeln, sind extrem aggressiv.

    Die Düsseldorfer Kö leidet übrigens schon länger unter ähnlichen Bedingungen. Auch da bleibt das “feine Publikum” erschrocken langsam weg. Aber genau deswegen, brauchen Prada und Gucci dort die Rubeleuros – womit auch immer die verdient sind. Mit Menschenhandel, mit Kinderpornos, mit Mord, mit Prostitution und Erpressung oder Waffenhandel.

    Ich lebe seit einigen Jahren in einem kleinen Ort zwischen Düren und Köln. Eines Morgens weckte mich die Polizei mit der Nachricht, die Russenmafia [O-Ton Polizei] hätte aus meinem Audi das Instrumentenbrett ausgebaut. Sauber, ohne etwas zu zerstören.

    Na klasse, wenigstens beherrschen die ehemaligen Millitärangehörigen ihr Handwerk.

  6. bit2bit sagt:

    Eine Menge begründeter Einwände.

    Das was mich daran wirklich stört ist die verallgemeinernde und gefährliche Kategorisierung:

    die Russen sind schlecht, die Engländer sind schlimm, die Tschechen sind laut, die Slowaken sind tepat, usw. usf.

    Ich kann mich noch aus meiner Kindheit erinnern (aufgewachsen in der ehemaligen Tschechoslowakei), dass wir bei Urlaub im ehemaligen Jugoslawien als Slowaken willkommen waren, während die “bösen” (sprich etwas lauteren und selbstbewussteren) Tschechen lieber zu Haus’ bleiben sollten …

    Und dann kann ich mich weiter erinnern, später in den Neunzigern, wo ich eine Zeitlang bei Morges in der Schweiz gelebt habe, wie keiner mit mir Deutsch reden wollte (kann leider nach wie vor kein Französisch), weil es die “bösen” Deutschen und “tepaten” Österreicher nicht besser verdient haben.

    Kurz danach habe ich ein Jahr in Freiburg verbracht und voilà – die Adjektiven sind geblieben, nur die Nationalitäten wurden ausgetausch – “nicht ernst zu nehmenden” Österreicher und “hochnäsigen” Schweizer waren die Bösen …

    Schlussendlich bin ich dann in Wien gelandet (wo ich die Frau meines Lebens gefunden habe) und ratet mal wer hier verpönt wird?!

    Und das Ganze bei 3 Völker, die nicht nur die Sprache, Kultur und Geschichte gemeinsam haben …

    Ich habe mich eigentlich überall wohl gefühlt und habe gelernt, dass nicht die Schweizer, die Österreicher, die Russen oder WelcheNationAuchImmer böse sind, sondern dass man überall “die Netten” und “die weniger Netten” findet und am Ende kommt’s drauf an, was man daraus selber macht …

    Solche Behauptungen schüren meiner Meinung nach NUR und AUSSCHLIESSLICH Hass und Vorurteile und das hat noch NIE zu was Gutem geführt.

    Es kann ja sein, dass sich derzeit in Russland nur die “Neureichen” zum Skifahren nach Europa leisten können und wir wissen, dass Geld alleine noch keine Moral mitbringt und dass sich die Wohlhabenden auf der ganzen Welt den Anderen eher überlegen fühlen …

    Ein Freund von mir verbringt soeben ein Auslandsstudienjahr in Perm und man kann von ihm trotz aller angebrachten Kritik erfahren, dass es auch dort (für mich ist es fast am Ende der Welt) genauso die Mehrheit anständige, freundliche und liebenswerte Menschen sind …

  7. @Det
    Leider muss ich dich enttäuschen, in diesem konkreten Fall geht es sehr wohl um das, was du im ersten Absatz anzweifelst, denn wir reden hier ausschließlich von Urlaubern, die ein paar Tage Urlaub in Österreich verbringen wollen – ohne jegliche kriminelle Absichten!

    @bit
    DANKE für das schöne Kommentar, dem ich mich zu 100% anschließe!

  8. Det Mueller sagt:

    @ Lieber Hannes & lieber bit

    Ich schätze viele Gedanken von Hannes sehr und lese ihn wirklich gerne. Auch bin ich sicher von bit falsch verstanden worden, denn ich bin gegen jede Form von Rassismus und Verallgemeinerungen in dieser Richtung.

    Aber wenn ich schon über so einen Vorfall berichte, dann, so finde ich, sind auch sehr deutliche Worte notwendig und angebracht.

    Und dann würde mehr Zivilcourage uns allen gut tun! Denn eine Verharmlosung der Vorfälle ist mindestens so leichtfertig, wie eine unterstellte Verallgemeinerung.

    Und wenn heute in fast allen Zeitungen sogar von der Wiederbelebung des “kalten Krieges” gesprochen wird (!), dann wird mir sehr kalt ums Herz. Denn solche Dinge hängen immer unmittelbar zusammen: der Fisch stinkt zuerst vom Kopf sagt man bei uns. Und das ist die wirkliche Gefahr.

    Denn dieser Fisch stinkt schon so lange, das die aufgefallenen Reiselustigen sicher nicht zu den Anständigen zählen.

    ::: Und noch was deutlich: Wenn ein Fremder in ein Gastland kommt, dann hat er die einheimischen Regeln zu befolgen und niemals umgekehrt!

  9. Marco Wegleiter sagt:

    Dieser “Ausrutscher” von Touristikern deckt ja offensichlich eklatante Kompetenz-Mängel im Tourismus auf – wurde ja von Salzburg sofort ausgeschlachtet. Denke du hast das mit deinem Beitrag auf den Punkt gebracht! LG Marco

  10. Anastasia sagt:

    Ich habe diesen Beitrag erst jezt entdeckt und bin etwas enttäuscht. Ich bin selbs Russin, aber das, was Sie hier als Erfahrungen beschreiben, sind Klischees.

    “Die Rezeptionistin, die ihrem russischen Gast gut gemeint die Hand über den Counter entgegenstreckt, beschert diesem erst einmal auf herzliche Weise viel Unglück für den weiteren Urlaub” – das stimmt einfach nicht. Es gibt einen Aberglauben, dass Unglück bringt, wenn man die Hand beim Abschied über die Türschwelle reicht. Das hat aber nichts mit einem Counter und Begrüssung zu tun.

    “На здоровье” – ist “Gesundheit!”. Das sagt man, wenn einer niest. Anstoßen tun wir schon öfters, Tischsprüche gibt es gelegentlich beim großen Feiern – Hochzeit usw. Ansonsten sagen wir soviel wie “Prost” – das dürfte wohl keinen besonders stören.

    Das mit Gemeindeamt könnte schon stimmen, denn wenn Russen Urlaub haben, möchten sie einfach relaxen und so wenig wie möglich mit irgendeiner Verwaltung und Bürokratie zu tun haben.

    Bei uns wird auch in jedem Geschäft gefragt, ob Hilfe nötig ist. Lästige Verkäufer mag man nirgendwo, ansosten ist das für jeden normal.

    “Wir haben auch billigen Wein – falls Sie heute Abend viel trinken wollen” – stimmt schon, das ist eine Beleidigung, denn der Gastwirt zweifelt daran, ob der Kunde überhaupt zahlungsfähig ist.

    Ansonsten finde ich, dass dies eher ein Problem der Vorurteile ist. Denn was Russen über Deutsche in Hotels sagen, hört sich genau so lächerlich an.

Das sagen andere zu diesem Beitrag (Trackbacks/Pingbacks)

  1. [...] es sei überhaupt nur lächerlich und andere halten es beschwichtigend nur für eine Frage des interkulturellen Managements. Wieder andere sehen hier wesentlich deutlicher auch mit den neuen Oligarchen [manager magazin] [...]

  2. [...] Preisdiskussion seine Gäste mit Ski- und Frühstücksentzug bestrafte, zeigen nach russischen Zeitungen nun auch belgische mit dem Finger nach [...]

  3. Krone - Blog sagt:

    Baader-Meinhof lässt grüßen……

    Stephan Pestitschek (“Das freie Wort”, “Kronen Zeitung” vom 12.2.2007) “Und wieder wurde die Gelegenheit genutzt, Österreich als ausländerfeindlich darzustellen. Da meint jemand aus der Hotelbranche, dass der Anteil russischer Urlauber 10% nicht…

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