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Faul sein ist nützlich…

…sagt der Berliner Autor Markus Albers in seinem Buch “Morgen komm ich später rein”.

Vor einiger Zeit hat mich Markus kontaktiert und angeboten, den Lesern von anders|denken einen kurzen Gastbeitrag zum Thema Kreativität zur Verfügung zu stellen. Natürlich konnte ich da nicht Nein sagen und freue mich den Beitrag hier veröffentlichen zu dürfen.

Dir, lieber Markus, wünsche ich weiterhin viel Erfolg mit deinem Buch, und gratuliere dir hier auch zur hervorragenden Presse- und Marketing-Arbeit! (www.morgenkommichspaeterrein.de, www.markusalbers.com, “Morgen komm ich später rein” bei Amazon kaufen).

Wer mit dem Autor in persönliche Diskussion treten möchte, hat z.B. schon diese Woche im Blog des Business Club für Querdenker, Innovatoren und Wertschöpfer eine Möglichkeit dazu, denn Markus ist dort aktuell als “Gastblogger” unterwegs.

Gastbeitrag Markus Albers – Faul sein ist nützlich!

Vorsicht – das nun Folgende ist möglicherweise nicht jugendfrei. Es wird einen schlechten Einfluss ausüben, auch auf Erwachsene. Es könnte Ihr Weltbild erschüttern und Ihre Vorstellungen davon, was sich gehört. Aber es muss gesagt werden: Faul sein ist nützlich. Faulheit ist – anders als das Wörterbuch behauptet – nicht das Gegenteil von Fleiß, und Freizeit ist nicht der Feind der Arbeit. Phasen des selbstbestimmten Müßiggangs sind vielmehr notwendige Voraussetzung für Kreativität.

»Wenn ich an Leute mit Reichtum, Weisheit und Wohlergehen denke, sehe ich unter ihnen Künstler, Schriftsteller, Musiker und Arbeitgeber. Es ist allgemein bekannt, dass keiner dieser Berufe zu den Frühaufsteher-Berufen gehört«, polemisiert der britische Journalist und Schriftsteller Tom Hodgkinson, der mit seiner Anleitung zum Müßiggang 2007 einen internationalen Bestseller schrieb und auch in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift The idler Tipps und Tricks für fröhliche Faulenzer veröffentlicht. Der Mann lebt seine Ratschläge und ist aus dem hektischen London in ein lauschiges Landhäuschen gezogen, wo er als Selbstversorger lange schläft, abends am Kamin Bier trinkt und insgesamt ein offenbar geruhsames Dasein pflegt.

Nun gibt es extrem viele erfolglose Künstler, Schriftsteller und Musiker, darum taugt ihr Lebenswandel kaum als Vorbild für eine funktionierende Wirtschaft. Auch Hodgkinsons leicht muffige Kapitalismuskritik nervt eher, als dass sie zu einem anderen Leben inspiriert. Dennoch klingt plausibel, was er zum schöpferischen Prozess sagt: »Arbeitgeber sehen es lieber, dass man vier Stunden herumsitzt und gar nichts schafft, als dass man für eine Stunde ein Nickerchen einschiebt (…), dem drei Stunden produktiver Arbeit folgen.« Das sei nicht nur menschenfeindlich, sondern auch unvernünftig, so Hodgkinson zu Recht, denn: »Um Ideen zu entwickeln, und dann zu planen, wie man diese Ideen umsetzen kann, benötigen kreative Menschen Denkzeit, und zwar fernab vom Schreibtisch, vom Telefon, von den abertausend Ablenkungen des (…) Lebens.«

Ein Blick in die Geschichte der Arbeitsphilosophie herausragender Denker zeigt tatsächlich: Entspannt kommt weiter. Für Aristoteles war die Faulheit die Schwester der Freiheit – er verstieg sich gar zu der Aussage: »Arbeit und Tugend schließen einander aus.« Albert Einstein erlaubte sich täglich zwölf Stunden Schlaf. Friedrich Nietzsche fand: »Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter.« Dostojewski beschrieb den Schöpfungsprozess des Schriftstellers: »Einsamkeit und Faulheit liebkosen die Phantasie.« Und Goethe sah es aus ganz pragmatischer Perspektive der ökonomischen Effizienz: »Unbedingte Tätigkeit macht zuletzt bankrott.«

Wir kennen das von uns selbst: Wer den ganzen Tag nur hektisch Aufgaben abarbeitet, wer zwischen E-Mails und Meetings keine freie Minute zum Nachdenken hat, wer auf diese Weise die Wochen, Monate und Jahre vorbeiziehen sieht, kommt schnell in eine Sinnund Schaffenskrise: Wozu dieses Hamsterrad? Ich trage ja nicht mal etwas Konzeptionelles zu meinem Job bei. Die Entscheidungen werden eh woanders getroffen. Spätestens, wenn uns dann eine Krankheit für ein paar Tage lahmlegt, merken wir, wie der kreative Teil unseres Hirns wieder warmläuft. Wir lesen Bücher, sprechen mit Freunden auch mal über etwas anderes als die Arbeit, freuen uns an ziellosen Spaziergängen, an langen Telefonaten, an der abwechslungsreichen Welt außerhalb unserer Bürozelle. Am Ende sind unsere geistigen Akkus wieder aufgeladen. Wir haben Pläne, Ideen, gute Vorsätze – die meist schnell wieder im Arbeitsalltag untergehen. Wie kommt es, dass wir uns mit einer abklingenden Grippe im Bett oft kreativer fühlen als im Büro?

Kurz gesagt: Wer kreativ sein will, braucht abwechselnde Phasen intensiver Informationsaufnahme, einsamer Kontemplation und kommunikativer Auseinandersetzung mit anderen. Der normale 8- bis 10-Stunden-Arbeitstag mit Anwesenheitspflicht und Meetingzwang erlaubt den zweiten Schritt nicht: Das »Inkubation« genannte zurückgezogene Verarbeiten, das Innovation erst möglich macht, kommt zu kurz. Nur eine flexible Arbeitsweise, in der Zeit im Büro mit Phasen der Abwesenheit relativ frei kombinierbar sind, macht uns wirklich – wie von Medien und Arbeitgebern immer wieder gefordert – zu kreativen Mitarbeitern.

»In der Wissensgesellschaft spielt es keine so große Rolle mehr, wo, in welcher Umgebung und zu welchen Uhrzeiten ich gute Ideen und spannende Konzepte entwickele«, sagt Hermann Hartenthaler, der im Forschungs- und Entwicklungszentrum der deutschen Telekom mobile Arbeitskonzepte realisiert. Im Gegenteil: Nach Untersuchungen der Universität St. Gallen entstünden 80 Prozent aller Ideen außerhalb des Arbeitsplatzes, also zu Hause oder unterwegs. Hartenthaler: »Wenn es darum geht, kreativ zu sein, sind Freiräume und andere Umgebungen wahrscheinlich sogar förderlicher als das Büro.« Natürlich muss man die Ideen dann auch festhalten und umsetzen können und da hilft die mobile Technikanbindung: »Ich klappe eben zu Hause spätnachts noch mal den Laptop auf, mache mir eine Notiz oder schicke eine E-Mail.«

Der angestellte Architekt Peter Meier arbeitet vier Tage pro Woche im Büro, freitags darf er von zu Hause aus seinem Job nachgehen. Sein Chef war erst skeptisch, findet die Regelung aber inzwischen so effektiv, dass er sie auch seinen anderen Mitabeitern anbieten will. Doch was genau macht Meier am Tag seiner Heimarbeit? Ist die Versuchung nicht groß zu faulenzen, fernzusehen? Seine Antwort ist überraschend ehrlich: »Als erstes habe ich an meinen Freitagen die gesamten sechs Staffeln Sopranos durchgeschaut.«

Die amerikanische Fernsehserie hat, zugegeben, viele Preise gewonnen, aber ist das nicht ein Missbrauch der Regelung? Nein, da ist Meier ganz sicher. Er holt nicht nur die verlorene Arbeitszeit durch E-Mails am Abend, Telefonate am Wochenende sowie quasi ununterbrochenes Zeichnen und Scribbeln von Ideen locker wieder auf. Vor allem aber hilft ihm die artfremde Informationsaufnahme, auf neue Gedanken zu kommen, den Kopf freizuräumen – schlicht: wieder kreativ zu sein. Glaubt man dem gängigen Forschungsstand zum Thema, hat er Recht.

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Hannes Treichl

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