Ideen zur Stadt-Entwicklung: Jaimie Lerners Philosphie der einfachen Lösungen.

Weil der Beitrag “Woher kommen gute Ideen zur Städteentwicklung” sehr viele LeserInnen hatte, hier noch ein Beispiel, dass hervorragende Lösungen manchmal so einfach sein können.

“Innovation is about starting.”

Jaime Lerner ist Städteplaner, Architekt und hochrangiger Politiker in Paraná im Süden Brasiliens. Mich haben vor allem seine einfachen Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt Curitiba begeistert. Hier 3 Beispiele:

Wie säubern wir das Meer vor unseren Küsten?

Die Buchten vor Paranà waren verdreckt und voller Müll. Für das Heben des Mülls stand (wieder einmal) kein Geld zur Verfügung. Lerner sorgte für eine Vereinbarung mit den Fischern.

“Wenn du einen Fisch fängst, gehört er dir.
Fängst du nur Müll, kaufen wir ihn dir ab.”

Wenn die Fischer einen schlechten Tag hatten und wenig Fisch fingen, sammelten sie den Müll vor den Küsten ein und verkauften ihn zum Kilopreis an die Stadt. Die Wasserqualität stieg. Mit ihr der Fischreichtum und die Fischer fingen wieder mehr Fisch.

Wie lösen wir unser Müll-Problem in den Ghettos?

In den Ghettos der Stadt staute sich der Müll. Die Straßen waren zu eng für die Fahrzeuge der Müllentsorgung. An windigen Tagen, verteilte sich der Müll in weiten Teilen der Stadt.

Wie bringe ich die Menschen dazu, ihren Müll selbst zu entsorgen?

Lerner ein einfaches aber effektives und vor allem kostengünstiges Tauschsystem ein:

Müll gegen Tüten mit Lebensmitteln und kostenlosen Bus-Tickets.
Das Resultat: Die Slums waren deutlich sauberer geworden.

Wie sollen wir ohne Geld unsere Parks pflegen?

Während andere große Städte sehr viel Geld investierten, um feuchte Landflächen in Küstennähe bebaubar zu machen, hat Lerner in diesen Gebieten Parks errichtet. Curitiba gehört heute noch immer zu den “reichsten” Städten der Welt – zumindest was Parkflächen pro Einwohner betrifft.

Gleichzeitig hatte die Stadt kein Geld, um Traktoren anzuschaffen, welche die vielen neuen Grünflächen mähen sollten. Als Lösung dieses Problems wurden Schafe herangezogen. Sie sorgen für natürliche Pflege der Vegetation.

Das “municipal sheep” Programm hat aber noch einen weiteren positiven Effekt: Der Erlös aus dem Verkauf von Schafwolle wird für die Finanzierung von Programmen für Kinder verwendet.

“Creativity begins when you cut a zero from your budget. Sustainability, when you cut two. When dealing with “smart system” technologies, we must always remember to bind our solutions with a commitment to simplicity. Also, having in mind that sustainability is an equation between what is saved and what is wasted. If waste is “zero”, sustainability tends to infinity.” (Jaime Lerner, The Economist)

Lösungen sind manchmal so einfach.
Aber je einfacher sie sind, umso wahrscheinlicher münden sie in diesen Zuständen:

  • Es beginnt windig zu werden. Widerstände regen sich, man wird belächelt. (Endlose) Diskussionen beginnen.
  • Oder: Wir fragen uns, warum ist uns das nicht früher schon eingefallen.

Widerstände ließ Lerner erst gar nicht aufkommen. Seine Lösung hierfür: Schneller sein als andere. Innerhalb von 72h machte er 1972 eine der größten Straßen der Stadt zur ersten Fußgängerzone Brasiliens.

The pedestrian plaza spans 15 blocks, and although it was initially unpopular, it is now a central meeting spot and the epicenter of local businesses in the center of Curitiba. (Quelle: Streetfilms)

Dass das – auch wenn es anfänglich so scheint – keine diktatorische Entscheidung war, erklärt er in diesem Video.

Jaime Lerner on Making Curitiba’s First Pedestrian Street from Streetfilms on Vimeo.

“Manchmal müssen wir schnell sein. Erstens, um unsere eigene Bürokratie zu umschiffen, zweitens, um das Aufkeimen rein politischer Probleme zu vermeiden.

Der dritte Grund aber ist der wichtigste:
Sei schnell, um deine eigene Unsicherheit zu überwinden.


Original picture: Flickr CC – Thank you Klaus!

Schnelligkeit ist auch ein Schlüssel, mit dem es Lerner schon früh gelungen ist, Curitiba zu einem Vorzeigemodell für ein funktionierendes Bus-Transportsystem zu machen, das täglich über 2 Millionen Passagiere (bei 1.7 Millionen Einwohnern) nutzen.

“Alle 30 Sekunden transportieren unsere Busse 36.000 Menschen. Das entspricht in anderen Städten der stündlichen Leistung von U-Bahnen.”

Curitiba’s BRT: Inspired Bus Rapid Transit Around the World from Streetfilms on Vimeo.

Ja! – Lerner hätte auch Jahre damit vergeuden können, eine U-Bahn zu bauen. Für ein vielfaches des Budgets, das er lieber in andere nachhaltige Projekte investierte.

Es gäbe noch viele Geschichten von Jamie Lerner zu erzählen, aber dieser Beitrag ist schon wieder viel länger geworden, als das ursprünglich geplant war. Deshalb entlasse ich Euch jetzt mit Jaime Lerners Sustainability Rap, mit der er auf der TED Conference sein Publikum begeisterte (ab Minute 14:10).

Danke für die Zeit die Ihr meinem Blog und meinen Ausführungen schenkt – und danke für Eure Meinung zu Jaime Lerner uns seiner Philosophie der einfachen Lösungen

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